Tipps für angehende InnenArchitekten

Am Sonntag war ich am Nachmittag in Luxemburg tanken und habe auf der Autofahrt mal wieder zwei Podcasts von Johanna Fritz gehört. Im ersten sprach Johanna über „passives“ Einkommen, da habe ich auch super viel mitgenommen und einige Ideen für mein Business entwickelt, aber dazu ein anders Mal. Die zweite Podcastfolge drehte sich um Evergreen-Blogposts und das Aufmotzen dieser. Mal abgesehen davon, dass ich auch mal schauen will, welche Posts Euch am besten gefallen haben und am meisten geklickt wurden, habe ich noch eine ganz andere Idee entwickelt, die ich gleich umsetzen will.

Seit Beginn meiner Selbstständigkeit werde ich von Zeit zu Zeit in E-Mails oder per Social Media mit Fragen bezüglich der Innenarchitektur konfrontiert. Ich hatte auch schon des Öfteren Praktikumsanfragen, aber ich bin Einzelunternehmerin und habe leider keine Kapazitäten für Praktikanten. Ich möchte aber trotzdem jedem Einzelnen helfen, der mir diese Fragen stellt, denn ich wäre damals froh gewesen, wenn ich mit „jemandem vom Fach“ hätte sprechen können.

Soll ich Innenarchitektur studieren?

Nun habe ich in der letzten Woche wieder eine Anfrage erhalten, in der mehrere konkrete Fragen zu Studium und Berufszweig gestellt wurden. Ich kann diese nur für den Studiengang Innenarchitektur in Trier beantworten, denn bei anderen Hochschulen ist das ganz individuell. Ich möchte mich der Fragen aber auf jeden Fall annehmen, um jungen Menschen in der Findungsphase eine Entscheidungshilfe mit auf ihren Weg zu geben. Ein entscheidender Unterschied ist die Länge des Bachelor-Studiengangs.

Unterschiede an den Hochschulen

In Trier studiert man insgesamt mindestens 8 Semester Innenarchitektur auf Bachelor und muss dann noch 2 Semester für den Master dranhängen. An anderen Hochschulen und in anderen Bundesländern gibts beispielsweise einen 6 semestrigen Bachelor und dann dafür einen 4 semestrigen Master. Eine andere Sache ist dann auch noch die Kammerfähigkeit, denn die gibts erst nach 8 Semestern Bachelor. Diesbezüglich kann man sich aber bei der jeweiligen Architektenkammer erkundigen. Hier habe ich die Links zu den nächsten Kammern hier in der Gegend zusammengestellt:

Architektenkammer Rheinland-Pfalz

Architektenkammer Nordrhein-Westfalen

Architektenkammer des Saarlandes

Architektenkammer Baden-Württemberg

Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen

Flexibilität ist nicht immer das Wahre

Bei mir war es damals so, dass ich ursprünglich ein Diplomstudium der Architektur absolviert habe. Ich machte mir vor dem Studium viele Gedanken darüber, ob ich allgemein Architektur studieren sollte oder mich von vornherein auf die Innenarchitektur spezialisieren sollte. Ich habe mich natürlich im Freundeskreis und in der Familie umgehört und viele sagten: „Mach doch Architektur, dann bist Du flexibler!“. Ich hätte schon damals mein Ding machen sollen, aber man weiß ja nie für was eine Sache gut ist und ich glaube sowieso, dass alles so kommt wie es kommen soll.

Das Zweitstudium

Mein Architektur-Diplom habe ich kurz vor der Umstellung auf das Bachelor/Master-System gemacht – und kurz nach der Geburt meines Sohnes. Als ich mich dann entschied, einen Innenarchitekturmaster aufzusatteln – der Sohn war mittlerweile in der Grundschule – wurde mir mein Diplomstudium quasi als Bachelor angerechnet und ich konnte innerhalb von zwei Semestern den Master durchziehen. Das war auch gut so, denn durch mein abgeschlossenes Diplomstudium wurde der Master als Zweitstudium angesehen und ich musste nicht gerade wenig Studiengebühren zahlen und dazu kam natürlich auch noch die Semestergebühr von etwa 230,- Euro.

Die Eignungsprüfung

Vor dem Studium muss man in der Regel eine Eignungsprüfung ablegen, damit schon vorher festgestellt werden kann, welche Kompetenzen bezüglich Gestaltung vorhanden sind. Manchmal muss man sich noch zusätzlich mit einer Mappe bewerben, woraufhin man dann erst zur Eignungsprüfung eingeladen wird. Zwecks Mappeninhalt und Themen der Prüfung setzt man sich am besten mit dem Sekretariat des Fachbereichs in Verbindung, denn dort wird man in den meisten Fällen gut beraten und bei der Vorbereitung mit Informationen unterstützt. Ich hatte damals schon vor Beginn mit einem der Professoren einen Termin ausgemacht. Ich glaube die freuen sich auch immer total, wenn man die Sache ernst nimmt und sich vorher informiert, um das bestmögliche Ergebnis abzuliefern. Bei der Master-Bewerbung geht es meist schon um konkrete Themen und man muss auch das Thema der Masterthesis schon ziemlich genau definieren. Ich habe mich damals zweimal bewerben müssen, denn meine erste Bewerbung zum Master war nicht konkret genug.

Der Möbelentwurf: Essentiell!

Wenn man Innenräume entwerfen will, muss man sich in einen ständigen Lernprozess begeben und sich fortwährend mit aktuellen Konstruktionen, Technologien und Materialien auseinander setzen. „Innenarchitekten sind Spezialisten für das Planen und Bauen von Innenräumen im architektonischen Kontext.“ (Zitat: http://ina-trier.de)  Die essentielle Basis bildet meiner Meinung nach der Möbelentwurf. Ich trauere heute noch dem verpassten Innenarchitektur-Bachelor nach, in dem man schon ganz zu Beginn vieles über Möbeldesign erfährt. Im Vierten Semester baut man dann zu einem bestimmten Thema wie bspw. „Utensilo“, „Easy Chair“ oder „Shelfmade“ ein eigenes entworfenes Möbelstück.

 

Nun möchte ich noch auf ein paar konkrete Fragen eingehen:
Was bewährt sich als Studiengang heutzutage?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Man muss ein wenig auf sich selbst vertrauen und das wählen, was am ehesten zu einem passt. Könnte ich noch einmal wählen, würde ich sofort Innenarchitektur studieren und nicht erst den Weg über die Architektur gehen. Das muss allerdings jeder selbst für sich entscheiden.
Reicht ein Fernstudium als Ausbildung?
Mit Fernstudium kenne ich mich überhaupt nicht aus. Am besten man informiert sich bei Studierenden, die diesen Weg eingeschlagen haben. Vielleicht gibt es ja Facebook-Gruppen o.ä. in denen man sich darüber austauschen kann. Ich für meinen Teil kann es mir nicht vorstellen, denn ich finde den direkten Bezug zum Fachbereich und das „Vor Ort-Sein“ hat einfach so viele Vorteile. Außerdem braucht man eine Modellbauwerkstatt, kreativen Raum zum Entfalten und MitstreiterInnen. Ab dem ersten Semester bekommt man einen eigenen Arbeitsplatz im Fachbereich und das stärkt das Gemeinschaftsgefühl ungemein. Ich habe alleine in meinem Jahr während des Masterstudiums schon erfahren dürfen, welch tolle Gemeinschaft es dort gibt. Auch heute nach zwei Jahren habe ich noch gute Kontakte zu meinen ehemaligen Innenarchitektur-Kommilitoninnen und das ist toll! All das findet man in Trier an der Hochschule im Fachbereich Gestaltung und ich kann mir vorstellen, dass das auch an anderen Hochschulen so gehandhabt wird.
Ist die Konkurrenz – vor allem als Frau – groß?
Die Konkurrenz im Interior Bereich ist schon ziemlich groß, vor allem weil viele Architekturbüros die Innenraumgestaltung mitmachen und auch die Einrichtungshäuser bieten dieses teilweise als Service an. Man muss schon hart an sich und seinem Unternehmen arbeiten, um sich einen Namen zu machen, aber wenn man es geschafft hat und einige Referenzobjekte vorzeigen kann, ist ein erster Anfang gemacht.
Soll ich mich spezialisieren?
Eine Spezialisierung ist in jedem Fall zu empfehlen, diese muss aber nicht zwangsläufig schon zu Beginn des Studiums gewählt werden, denn auch im späteren Berufsleben kann sich diese Richtung erst herauskristallisieren. Bei mir geht es zum Beispiel erst jetzt in eine bestimmte Richtung, ich kann und möchte mich aber noch nicht so ganz festlegen. Das ist völlig legitim und solche Dinge müssen wachsen und eine Bauchentscheidung sein, denn wenn man Spezialist für etwas sein möchte, sollte man auch mit vollem Einsatz und ganzem Herzen dabei sein.
Schlage ich mit dem Berufswunsch Innenarchitekt/Interior Designer einen sicheren Weg ein?
Ich bin nicht sicher, ob es heutzutage überhaupt noch einen sicheren Weg gibt. Das Einzige was ich weiß, ist: Wenn Du das tust, was Dir Spaß macht und für Deine Arbeit und Deine Themen brennst, ist es in jedem Fall der richtige Weg!
Welche Praktika sollte man vorher machen?
Ich finde eines oder mehrere Praktika in Innenausbau-Betrieben oder bei Möbelschreinern, die sich mit Innenarchitektur beschäftigen, sehr sinnvoll. Schon alleine, um die mannigfaltigen Holz-Verbindungen kennenzulernen und verschiedene Konstruktionsmöglichkeiten ist eine solches Praktikum Gold wert!
Welche Betriebe sind geeignet?
Für unsere Region habe ich hier eine Liste angefangen, vielleicht ist ja da für den ein oder anderen etwas dabei. Falls Ihr Betriebe in einer bestimmten Stadt sucht, schreibt mich gerne an und ich schaue ob ich dort Unternehmen empfehlen kann.

Unikat Möbeltischlerei GmbH
Romikastr. 88
54317 Gusterath-Tal / Deutschland
Tel.: (0 65 88) 98 82 77

bulbaum GmbH
Am Bittenbach 15 | D-54634 Bitburg
E-Mail: info@bulbaum.de
Telefon +49 (0) 6561 – 94 68 0

Brakonier
16a, rue Gabriel Lippmann
L-1943 Luxembourg

Menuiserie Modulor
11, allée John W. Leonard
L-7526 Mersch

Hätte ich noch einmal die Wahl, dann würde ich Englisch als zweite Fremdsprache wählen und Innenarchitektur statt Architektur studieren. Aber man ist ja bekanntlich niemals zu alt etwas neues zu lernen und deshalb habe ich eben einfach noch nach dem Diplomstudium in der Architektur einen Innenarchitektur-Master aufgesattelt – und ich lerne gerade Englisch mit meinem Sohn zusammen. Was würdet Ihr gerne noch alles lernen in Eurem Leben? Ich bin gespannt!
Meine Kollegin Anett Ring hat übrigens eine wunderbare Seite mit Antworten auf Eure Fragen zum Architekturstudium zusammengestellt. Ihr findet sie hier: Architektur-studieren.info

Eines meiner Mappenprojekte

Zum Abschluss zeige ich Euch hier noch eines meiner Projekte aus der Bewerbungsmappe für Innenarchitektur. Ich habe ganz zu Beginn meines Architekturstudiums in Saarbrücken einen wundervollen Entwurf gemacht, der meinem damaligen Professor überhaupt nicht gefallen hat. Er warf mir sogar an den Kopf ich sei unkreativ! Ich wusste aber, dass mein Entwurf Potenzial hat und habe das Möbelstück – eine Ausstellungswand auf Rollen, um flexibel eine Galerie zu bespielen – für meine Mappe ausgearbeitet. Hier sind die passenden Präsentationszeichnungen dazu:

4 thoughts on “Tipps für angehende InnenArchitekten

  1. Da steckt ganz viel Information drin für alle Interessierten…. und auch die Kreativität und das Durchhaltevermögen und „wollen“ von deiner seite spürt man. Ich schaue mich noch einmal weiter um. Liebe Grüsse, Miuh

  2. Vielen Lieben Dank für deine Mühen und herzliche Annahme.
    Deine Antworten haben mir sehr weiter geholfen und auch einen Einblick verschafft.
    Vor allem dein Bericht unter „Reicht ein Fernstudium zur Ausbildung ?“ und dein Mappenprojekt.

    Mir kommt es so vor, dass es mir ähnlich wie dir geht: Könnte ich mein Studium nochmal neu wählen, hätte ich mich anders entschieden.

    Aber ich glaube genau wie du daran, dass früher oder später alles einen Sinn macht.

    Ich bin gespannt wo mich mein Weg hinführt und Danke dir nochmal, dass du mir dabei geholfen hast 🙂

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