Architekturtipp: Jüdisches Zentrum München

Wie viele von Euch wissen, komme ich aus dem kleinsten Bundesland, dem Saarland. In Saarbrücken habe ich meine Berufsausbildung zur Bauzeichnerin (Hochbau) absolviert und auch mein Architekturstudium angefangen, das ich ja dann später in Trier vollendet habe. In Saarbrücken gibt es auch einige große Architekturbüros, von denen man ab und zu bei Wettbewerben und großen Projekten gehört hat, dazu gehört auch das Büro „Wandel Hoefer Lorch“, heute „Wandel Lorch Architekten“. Dieses Architekturbüro hat damals 2001 den Wettbewerb „Jüdisches Zentrum am Jakobsplatz“ gewonnen und deshalb habe ich zu dieser Gebäuden-Komposition eine ganz besondere Beziehung.

Das Gebäude-Ensemble

Das Ensemble in der Nähe des Marienplatzes und des Viktualienmarktes besteht aus folgenden Gebäuden: Dem jüdischen Zentrum, der Hauptsynagoge mit Gemeindezentrum für die israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern, sowie dem Jüdischen Museum. Die Zusammengehörigkeit der einzelnen Bauten wird durch den Einsatz des gleichen Materials deutlich. Parallel zum Ensemble wurde der St.-Jakobs-Platz neu gestaltet. Der Platz ist praktisch das Silbertablett, auf dem die Architektur präsentiert wird. Außerdem ist er sehr belebt seit dem Neubau und wird von vielen genutzt und ins städtische Leben integriert, wie man auch auf den Bildern ganz gut sehen kann.

Das Museumsgebäude

Die Architekten haben sich bei dem städtebaulichen Konzept für den Entwurf stark an der kleinteiligen Bestandsbebauung orientiert. Die neuen Gebäude sind ebenfalls kleinteilig und jedes kann für sich gesehen werden, trotzdem gehören übergeordnet durch die Materialwahl alle zusammen. Die Anordnung der einzelnen Bauten verleiht zusätzlich dem Jakobsplatz eine neue Struktur. Das Museum ist als einziges Gebäude der Gruppe freistehend geplant worden. Der glatt geschliffene Travertin lässt das Museum wie aus einem Stück aussehen und diese Struktur löst sich nur im Erdgeschoss auf.

Das verglaste Foyer fungiert als Schaukasten und öffnet sich zum Platz. Ganz klassisch befinden sich neben den Kassen der Museums-Shop und ein Café, das meines Wissens nach auch von Nicht-Besuchern genutzt werden kann. Im ersten und zweiten Obergeschoss sind die Wechselausstellungen, sowie Studien- und Lernbereiche. Im Untergeschoss befindet sich die Dauerausstellung des Jüdischen Museums. Erschlossen werden die beiden Obergeschosse durch eine klassische, einläufige Treppenanlage in Sichtbeton.

Die Materialien der Synagoge

Die Fassade des geschlossenen Sockels der Synagoge hingegen ist aus schroffem unbehandeltem Travertin hergestellt, es entwickelt sich dadurch eine Art Relief auf der Außenseite. Der Baukörper des Gotteshauses ist nach Osten ausgerichtet und über dem Sockel schwebt fast eine filigrane Stahlkonstruktion, das aus drei Schichten besteht. Die äußere Schicht ist eine Hülle aus einem textil wirkenden Bronzegewebe. Innen gibt es eine Stahlkonstruktion, die als Tragstruktur dient – sie besteht aus Dreiecken, die an den Davidstern erinnern sollen. Zwischen diesen beiden Ebenen gibt es zusätzlich die Glasebene, die als Filter und als thermische Hülle dient. Das Innenleben der Synagoge besteht aus Zedernholz und Stein aus Israel. Diese Materialien bilden die Hülle um den Gebetsraum.

B A U T A F E L

Architekten: Wandel Hoefer Lorch Architekten, Saarbrücken
Projektbeteiligte: Regina Poly, Garten- und Landschaftsarchitektur (Platzgestaltung); Martin Kohlbauer, Wien (Ausstellungsgestaltung)
Bauherr: Landeshauptstadt München
Baubeginn: 2003
Fertigstellung: 2007
Standort: St.-Jakobs-Platz 16, 80331 München
Baukosten: 57 Millionen Euro
Bauweise: Stahlbeton, Stahl, Massivbau
Kubatur Synagoge: 8.920m³
UG Synagoge: 580m²
EG Synagoge: 620m²
Kubatur Museum: 12.660m³
EG Foyer Museum: 300m²
1.-2. OG Ausstellung Museum: 600m²
UG Ausstellung Museum: 200m²

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