Garibaldi Repubblica – Ein Museum für Mode und Design in Mailand

Wenn man kurz vorm Diplom schwanger wird, muss man schauen, dass man schnell noch mit dem letzten großen Entwurf fertig wird. Nicht alle Entwürfe die damals während des Studiums herausgegeben wurden, waren spannend. Ich hatte keine Zeit auf einen guten Entwurf zu warten, dafür aber wahnsinniges Glück und durfte als Entwurf III schon die zweite Entwurfsaufgabe mit großem Potenzial bearbeiten. Die erste war der Serpentine Pavilion bei Michelle Howard, ich schrieb schon darüber.

In meinem letzten Semester vor dem Diplom habe ich mich sehr gefreut bei einer ganz besonderen Frau meinen letzten Entwurf zu bestreiten. Vertretungsprofessorin Ingrid Bille, damals assoziiert bei Grimshaw Architects in London, heute selbstständig bei BilleBeyeScheid stellte diese spannende Aufgabe an einem fabelhaften Ort. Auch das Büro Grimshaw stellte sich dieser Aufgabe bzw. hatte sich dieser schon gestellt, das Ergebnis durften wir natürlich erst hinterher anschauen, um nicht befangen zu sein.

Die Entwurfsaufgabe

Der Stadtteil Garibaldi Repubblica hat trotz seiner Nähe zur Innenstadt seit vielen Jahrzehnten brachgelegen. Da die Eigentumsverhältnisse komplex und vielschichtig waren, ist es erst jetzt gelungen in Zusammenarbeit mit der Stadt Mailand alle Grundstücke in einer Hand zu vereinen und somit eine Revitalisierung des Stadtteils Garibaldi Repubblica zu erreichen. Cesar Pelli hat für diesen neuen Stadtteil einen Masterplan entwickelt der neben öffentlichem Raum und Grünflächen eine vielschichtige Nutzung für Büro, Wohnen, Ausstellungen, Konferenz, Hotel und Einzelhandel vorsieht.

Die Stadt Mailand macht ihrem Ruf als internationale Metropole für Mode und Design alle Ehre. Weltbekannte Modehäuser haben ihren Hauptsitz in Mailand und während der Fashion Week im Frühjahr und Herbst, und der Möbelmesse verwandelt sich die Stadt in einen bunt schillernden Zirkus. Das zu planende Ausstellungsgebäude für Mode und Design stellt einen wichtigen Bestandteil des Masterplans für Garibaldi Repubblica und die Wiederbelebung des Stadtteils dar. Das Ausstellungsgebäude sieht zwei Geschosse und einen großzügigen Foyerbereich mit Gastronomie zur Erschließung aller bereiche vor. Eine Dachterrasse mit einem Blick über die Stadt und Sicht auf die Alpen sollte als Gastronomie und Ausstellungsfläche genutzt werden können.

„Genauer hinschauen: Und plötzlich öffnen sich graue Fassaden zu bezaubernden Innenhöfen, tauchen hinter anonymen Ecken Kleinode der Architektur vergangener Jahrhunderte auf, prangen hinter schmutzigen Kirchenfassaden Meisterwerke der Kunst. Wer in Mailand genau hinschaut, der entdeckt Geschichte nicht museal isoliert, sondern als Teil der Gegenwart.“  

(Quelle: travelguide_marco-polo.de)

Mit diesem Zitat, das die Grundlage meines Entwurfs bildet, habe ich damals meine Präsentation eingeleitet. Ein weiterer Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung mit dem Ort selbst. Ich wollte erfahren, was es mit dieser Stadt Mailand auf sich hat. Ich untersuchte zuerst die Architektur, die Kunst (Design) und die Mode in Mailand, um dann für mich festzulegen, was mir persönlich für diesen Entwurf wichtig ist.

Drei Begriffe verblieben als Quintessenz: Bewegung, Kunst, Eleganz

Die Form meines Gebäudes sollte diese drei Begriffe vereinen. Ich entschied mich für die Bewegung eines Models, das über den Laufsteg schreitet. Bei der Übertragung auf das gegebene Grundstück habe ich mich auf Rumpf und Beine konzentriert, da sich in diesem Bereich die meiste Bewegung abspielt. Der Baukörper wird durch drei Achsen definiert: Hüftachse, Knieachse und Zehenachse. Hier kann man dieses System ganz gut erkennen: Entwurf III WS 06/07Mein Gebäude ist keine klassische Halle, die Ausstellung ist als „Reise“ durch große Rampen, die sich vom Erdgeschoss bis zum Dach bewegen, vordefiniert. Hier zu sehen als 3D-Modell:

Der Weg durch das Gebäude

Dieser Weg kann als Rundgang erlebt werden aber auch jede ´Schleife´ kann für sich betrachtet werden und ist unabhängig von der anderen. Die beiden Schleifen berühren sich an keiner Stelle des Gebäudes, sie haben somit keine Schnittmenge. Das Gebäude verhält sich zum Park hin relativ geschlossen, durch einen großen Wintergarten, um den sich die Rampen winden, wird der Park ins Gebäude geholt. Die Erschließung kann über zwei verschiedene Wege erfolgen, zum Einen über einen großen Eingang für die Besucher aus der Stadt kommend und zum Anderen für den Besucher, der aus Park-Richtung kommt einen kleineren.

Lageplan
Erdgeschoss
1. Obergeschoss
2. Obergeschoss

Im EG befindet sich ein Teil des Café, ein Store, in dem man Fashion und Design- Objekte erwerben kann und ein Buchshop. Ebenso befindet sich der Anfang der Design- und Mode „Reise“, eine Schaufensteraustellung, die nur von außen betrachtet werden kann und die Garderobe in diesem Geschoss. Aus dem Raster des Tragsystems haben sich feste Flächen für Kerne und variable für die Rampen ergeben.

Die Statik

Die Rampen haben als Auflagerpunkt jeweils zwei Stützen und einen Unterzug, die massiven Brüstungen fungieren als Überzug, wodurch sich die Rampen bis zu einem gewissen Grad selbst tragen. Vier der Rampen müssen zusätzlich von Stahlbetonschwertern gehalten werden, die sich von der Tiefgarage bis zum Dach hin durchziehen, welches zum Teil auch davon getragen wird. Um die schrägen Dachebenen zusätzlich zu halten, gibt es durchlaufende Unterzüge und die Rampenstützen tragen ebenfalls zur Festigkeit bei.

3. Obergeschoss
Fassadenausschnitt

 Die Materialien

Das Gebäude besteht aus braun gefärbtem Stahlbeton, um das sich Bänder aus einem Gold-Glas-Laminat ziehen. Diese Bänder sollen das Konzept der Bewegung und Reise aus dem Innern nach außen projizieren. Sie verdeutlichen durch das Gold die pompöse und prunkvolle Mode- und Designbranche. Das Band ist in den Bereichen der Ausstellung zum Großteil geschlossen und in Bereichen, die Tageslicht benötigen, ist das Gold an vielen Stellen ´brüchig´ d.h. es entstehen Freiräumedurch die das Tageslicht z.B. in die Büro- und Presseetage fluten kann.

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Bella Italia“ initiiert von Silvia und Astrid vom Buch- und Backblog „Leckere Kekse“. Folgende Blogs sind ebenfalls mit einem Beitrag dabei:

Update: Mein Beitrag ist nicht nur Teil dieser Blogparade, sondern macht auch noch schnell beim Sonntagsglück von Katrin aka Soulsistermeetsfriends mit!

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

2 thoughts on “Garibaldi Repubblica – Ein Museum für Mode und Design in Mailand

    1. Das Witzige ist, dass ich für diesen Entwurf nicht in Mailand war, wir haben alles nur über Fotos und Planunterlagen gemacht! Ich würde auch einmal gerne Mailand kennenlernen! Liebe Grüße 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.